Illegales Glücksspiel: Drohen Spielern Strafen?

Spielern droht bei illegalem Glücksspiel nach § 285 Strafgesetzbuch, kurz StGB, eine Freiheitsstrafe von bis zu 6 Monaten oder eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen. Erfasst ist das Mitspielen bei einem öffentlichen Glücksspiel, das im Sinne von § 284 Absatz 1 StGB ohne behördliche Erlaubnis veranstaltet wird. Bei einem konkreten Strafvorwurf nehmen Sie die dazugehörigen Unterlagen zu einer anwaltlichen Beratung mit.
Strafe für Spieler: Was droht wirklich?
Bei einer Verurteilung nach § 285 Strafgesetzbuch kann das Gericht zwischen Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen und Freiheitsstrafe bis zu 6 Monaten wählen. Zur Bewertung Ihres eigenen Spielens ist eine Beratung im Strafrecht der passende nächste Schritt. Ob illegales Glücksspiel Strafe nach sich zieht, hängt nach § 285 in Verbindung mit § 15 StGB auch vom Vorsatz ab.
| Wer handelt? | Welche Handlung? | Welche Strafe? | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Veranstalter, Halter oder Bereitsteller | Öffentliches Glücksspiel veranstalten, halten oder Einrichtungen bereitstellen, ohne behördliche Erlaubnis | Freiheitsstrafe bis 2 Jahre oder Geldstrafe | § 284 Abs. 1 StGB |
| Gewerbsmäßig handelnder Täter oder Mitglied einer zur Tatfortsetzung verbundenen Bande | Tat nach § 284 Abs. 1 StGB | Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis 5 Jahren | § 284 Abs. 3 StGB |
| Spieler | Sich an dem unerlaubten öffentlichen Glücksspiel beteiligen | Freiheitsstrafe bis 6 Monate oder Geldstrafe bis 180 Tagessätze | § 285 StGB |
Ein Tagessatz ist eine Recheneinheit der Geldstrafe. Für seine Höhe zählen nach § 40 Absatz 2 Satz 1 bis 3 StGB die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, regelmäßig das tägliche Nettoeinkommen und das unerlässliche Existenzminimum. Für Ihre Geldstrafe bedeuten 180 Tagessätze nach § 40 Absatz 4 und § 285 StGB deshalb keinen festen Eurobetrag.
Die Bayerische Staatsregierung dokumentierte in Landtagsdrucksache 19/1892 vom 15. April 2024 für 2022 insgesamt 68 nach § 285 StGB verurteilte Personen in Bayern. Die Tabelle erfasst den Straftatbestand insgesamt und trennt Online-Spiele nicht ab. Ihre persönliche Verurteilungswahrscheinlichkeit lässt sich daraus nicht berechnen, denn die Statistik beschreibt abgeschlossene Entscheidungen innerhalb eines Bundeslandes. Die übergreifende Frage nach erlaubten Angeboten behandelt Online Casino in Deutschland legal.
Was ist illegales Glücksspiel nach dem StGB?

§ 284 Absatz 1 StGB verbindet das Veranstalten, Halten oder Bereitstellen von Einrichtungen mit öffentlichem Glücksspiel ohne behördliche Erlaubnis. Für das Angebot verlangt § 4 Absatz 1 Satz 1 Glücksspielstaatsvertrag 2021, kurz GlüStV 2021, die Erlaubnis der zuständigen Landesbehörde, also deren Zulassung. Bei Ihrer rechtlichen Einordnung betrachten Sie deshalb sowohl die Handlung als auch die Zulassung des Angebots.
| Merkmal | Was es bedeutet | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Glücksspiel im Staatsvertrag | Bezahlte Gewinnchance, Gewinn ganz oder überwiegend zufallsabhängig | § 3 Abs. 1 Satz 1 GlüStV 2021 |
| Öffentlichkeit im Staatsvertrag | Teilnahme für einen größeren, nicht geschlossenen Personenkreis möglich | § 3 Abs. 2 GlüStV 2021 |
| Regelmäßige geschlossene Spielrunde | Auch gewohnheitsmäßige Glücksspiele in Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften gelten als öffentlich | § 284 Abs. 2 StGB |
| Fehlende behördliche Erlaubnis | Merkmal der unerlaubten Veranstaltung | § 284 Abs. 1 StGB |
| Beteiligung | Mitspielen an dem von § 284 erfassten öffentlichen Glücksspiel | § 285 StGB |
| Vorsatz | Kenntnis der gesetzlichen Tatmerkmale erforderlich | § 15 und § 16 Abs. 1 Satz 1 StGB |
Wann ein Spiel als Glücksspiel gilt und wann als öffentlich, legt § 3 Absatz 1 und 2 GlüStV 2021 fest. Welche Handlungen strafbar sind, regeln dagegen §§ 284 und 285 StGB. Einzelheiten zur Erlaubnis und zum Aufbau der Regeln finden Sie unter Glücksspielstaatsvertrag.
§ 16 Absatz 1 Satz 1 StGB schließt den Vorsatz aus, wenn jemand bei der Tat einen Umstand nicht kennt, der zum gesetzlichen Tatbestand gehört. Ob das auf Sie zutrifft, hängt davon ab, was Sie beim Spielen wussten. Besprechen Sie diese Umstände und vorhandene Unterlagen mit einem Rechtsanwalt.
Weitere Folgen neben der Strafe

§ 286 Satz 1 StGB ordnet unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich die Einziehung von Spieleinrichtungen und vorgefundenem Spielgeld an. Wenn eine solche Maßnahme Sie betrifft, lassen Sie Gegenstand und Begründung anwaltlich prüfen. Bei eigenen Gegenständen bedeutet Einziehung nach § 75 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 StGB den Eigentumsübergang auf den Staat mit rechtskräftiger Entscheidung. Einziehung und Geldstrafe sind damit unterschiedliche Rechtsfolgen gemäß § 286 Satz 1 und § 285 StGB.
§ 286 Satz 1 StGB knüpft die Einziehung an die Tat, an die Art der Gegenstände und daran, wem sie zur Zeit der Entscheidung gehören.
Gehören die Gegenstände einer anderen Person, können sie nach § 286 Satz 2 StGB eingezogen werden, wenn zusätzlich § 74a StGB erfüllt ist. Nach § 74a Nummer 1 StGB genügt, dass der Eigentümer mindestens leichtfertig dazu beigetragen hat, dass sie als Tatmittel verwendet wurden oder Tatobjekt waren. Nach Nummer 2 reicht auch, dass er sie in Kenntnis der Umstände, welche die Einziehung zugelassen hätten, in verwerflicher Weise erworben hat. Sichern Sie Ihre Eigentumsbelege, wenn Gegenstände eingezogen werden sollen, und nehmen Sie sie zu einem Rechtsanwalt mit.
Ausländische Casinos ohne deutsche Lizenz: Was daraus folgt

Die Seite Casino ohne Steuer vergleicht, ob ein Anbieter die virtuelle Automatensteuer vom Einsatz abzieht. Über die Erlaubnis sagt dieser Vergleich nichts aus. Für die Zulassung bleibt § 4 Absatz 1 Satz 1 GlüStV 2021 maßgeblich, auch wenn Sie keinen gesonderten Abzug auf Ihrem Konto sehen.
Bei einem Casino ohne deutsche Lizenz fehlt die deutsche Erlaubnis, an die § 4 Absatz 1 Satz 1 GlüStV 2021 anknüpft. Daraus folgt für Sie, dass die Beteiligung anhand von §§ 284, 285 und 15 StGB zu beurteilen ist. Zur Suche nach zugelassenen Angeboten nutzen Sie die Whitelist, die amtliche Liste nach § 9 Absatz 8 Satz 1 GlüStV 2021. Die Liste veröffentlicht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
In diesem Verzeichnis erscheinen außerdem die von anderen deutschen Aufsichten genehmigten Angebote. Zur Einordnung der Bezeichnung Casino ohne deutsche Lizenz finden Sie weitere Erläuterungen in diesem Ratgeber.
Häufige Irrtümer zu illegalem Glücksspiel

Die folgenden Irrtümer zu illegalem Glücksspiel verwechseln die eigene Rolle, den Firmensitz und eine Zahlung ans Finanzamt. Entscheidend ist für Sie jeweils, welche Voraussetzung die genannte Vorschrift tatsächlich enthält.
„Strafbar sind nur die Anbieter“
Mit § 285 StGB besteht ein eigener Straftatbestand für Spieler, zusätzlich zu den Veranstalterhandlungen nach § 284 Absatz 1 StGB. Lassen Sie deshalb bei einem Vorwurf Ihre eigene Rolle prüfen. Dass Sie selbst kein Spiel organisiert haben, beseitigt die Beteiligung nach § 285 StGB nicht. In der Beratung beschreiben Sie, was Sie tatsächlich getan haben, statt allein auf die Rolle des Betreibers zu verweisen.
„Ein ausländischer Firmensitz macht das Spielen erlaubt“
Ein ausländischer Firmensitz oder eine ausländische Lizenz ändert nichts daran, dass § 4 Absatz 1 Satz 1 GlüStV 2021 die Erlaubnis der zuständigen Behörde des jeweiligen Landes verlangt. Nach § 3 Absatz 4 GlüStV 2021 wird ein Glücksspiel dort veranstaltet und vermittelt, wo dem Spieler die Möglichkeit zur Teilnahme eröffnet wird. Prüfen Sie deshalb die deutsche Erlaubnis für das konkrete Angebot. Die Adresse des Unternehmens allein beantwortet diese Frage nicht.
„Wer Steuern zahlt, spielt legal“
Eine Steuerzahlung erfüllt nicht die Erlaubnisvoraussetzung aus § 4 Absatz 1 Satz 1 GlüStV 2021. Für Ihre Einordnung sind Zulassung und Abgabe getrennt zu prüfen. § 36 Satz 2 Nummer 2 Rennwett- und Lotteriegesetz, kurz RennwLottG, knüpft die Automatensteuer an die Vertragshandlungen des Spielers in Deutschland. Der Veranstalter schuldet sie gemäß § 39 Satz 1 RennwLottG auch dann, wenn die deutsche Erlaubnis fehlt.
Quellen und Vorgehen
Ausgewertet wurden die einschlägigen Vorschriften des Strafgesetzbuchs, die Begriffs- und Erlaubnisregeln des Glücksspielstaatsvertrags sowie das Rennwett- und Lotteriegesetz und die Altersgrenze im Bürgerlichen Gesetzbuch. Die dokumentierten Verurteilungen stammen aus der Antwort der Bayerischen Staatsregierung, Angaben zu Hilfsangeboten und OASIS aus den Seiten der zuständigen öffentlichen Stellen. Die Erklärungen geben unsere redaktionelle Lesart wieder, damit Sie Strafrahmen, Voraussetzungen und persönliche Bewertung auseinanderhalten können. Eine individuelle Rechtsberatung leistet dieser Text nicht, für Ihren konkreten Fall benötigen Sie einen Rechtsanwalt, und das Verfahren zur Quellenprüfung ist hier beschrieben.
Wenn Sie sich Sorgen machen: Hilfe und Beratung

Wenn Ihr Spielen Sie belastet, können Sie sich an das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) wenden. Die Rufnummer für kostenfreie, anonyme Gespräche lautet 0800 1 37 27 00. Ergänzend stehen Ihnen auf check-dein-spiel.de Angebote für Spielende und deren Angehörige zur Verfügung.
OASIS, die Datei für Spielersperren, verwaltet das Regierungspräsidium Darmstadt. Ohne deutsche Erlaubnis steht einem Casino dieser Anschluss nach den Vorgaben des Regierungspräsidiums nicht offen. Schutz durch Ihre Sperre bietet ein solches Casino deshalb nicht, es ist für Sie kein sicherer Spielort. Besprechen Sie Ihren Unterstützungsbedarf mit einer Beratungsstelle.
Bei Online-Casinospielen verbietet § 4 Absatz 3 Satz 2 GlüStV 2021 die Teilnahme Minderjähriger. Die Grenze 18+ ergibt sich aus § 2 BGB. Spielen um Geld birgt Suchtgefahr. Begrenzen Sie vor Spielbeginn Ihre Einzahlungen und planen Sie Pausen ein.
Kostenfreie, anonyme Beratung0800 1 37 27 00Häufige Fragen

Was ist mit illegalem Glücksspiel gemeint?
Maßgeblich ist nach § 284 Absatz 1 StGB öffentliches Glücksspiel ohne behördliche Erlaubnis. Für Ihre Einordnung zählt das konkrete Angebot. Seine Zulassung richtet sich nach § 4 Absatz 1 Satz 1 GlüStV 2021.
Ist eine geschlossene Spielrunde immer privat?
Nein, § 284 Absatz 2 StGB erfasst auch gewohnheitsmäßiges Glücksspiel in Vereinen und geschlossenen Gesellschaften. Ihre Einladung allein widerlegt diese Erweiterung in § 284 Absatz 2 StGB nicht. § 284 Absatz 2 StGB stellt dafür auf das gewohnheitsmäßige Veranstalten ab.
Sind 180 Tagessätze ein bestimmter Geldbetrag?
Nein, § 40 Absatz 4 StGB unterscheidet Anzahl und Höhe der Tagessätze. Ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse berücksichtigt das Gericht nach § 40 Absatz 2 Satz 1 StGB. Damit können Sie Anzahl und Eurobetrag getrennt lesen.
Sind die bayerischen Verurteilungen eine Online-Statistik?
Nein, die Landtagsdrucksache 19/1892 zählt Verurteilte nach § 285 StGB ohne gesonderte Online-Kategorie. Die Angabe bezieht sich auf Bayern und das ausgewiesene Jahr. Sie beschreibt weder ganz Deutschland noch Ihr persönliches Risiko.
Bedeutet der Strafrahmen, dass stets die Höchststrafe folgt?
Nein, für die Strafzumessung ist nach § 46 Absatz 1 Satz 1 StGB die Schuld maßgeblich. Das Gericht wägt gemäß § 46 Absatz 2 Satz 1 StGB die Umstände ab. Ihren Fall besprechen Sie anwaltlich.







